Warum du Nüsse, Getreide, Hülsenfrüchte & Samen niemals „einfach so“ essen solltest – Aktiviere deine Nahrung!
Hand aufs Herz: Wir alle wollen uns gesund ernähren. Wir kaufen teure Bio-Mandeln, packen Chiasamen in den Smoothie und setzen auf Vollkorn. Doch wusstest du, dass dein Körper an viele dieser Schätze gar nicht herankommt, wenn du sie direkt aus der Packung isst?
Vor vielen Jahren habe ich angefangen, mich intensiver mit dem Thema zu beschäftigen, und die Erkenntnis war ein echter „Aha-Moment“: In unseren geliebten Kernen schlummert ein Nährstoff-Räuber. Wir denken wir tun unserem Körper was Gutes und geben ihm das Beste, dabei ist das nicht immer der Fall. Diesen Blogbeitrag habe ich schon vor vielen Jahren geschrieben, höchste Zeit also, ihn zu aktualisieren.
Der unsichtbare Tresor: Die Phytinsäure
Pflanzen sind clever. Ein Samenkorn oder eine Nuss ist das „Baby“ der Pflanze. Damit es nicht vorzeitig verrottet oder von Tieren komplett verdaut wird, schützt sie es mit einem chemischen Schutzschild: der Phytinsäure.
Das Problem für uns? Phytinsäure ist ein massiver Nährstoff-Blocker.
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Der Mineralien-Raub: Sie wirkt wie ein Magnet. Im Darm bindet sie lebenswichtige Stoffe wie Eisen, Zink, Magnesium und Calcium fest an sich. Anstatt dass diese Power-Stoffe in deine Zellen wandern, werden sie einfach ungenutzt ausgeschieden. Isst du regelmäßig „unbehandelte“ Kerne, riskierst du langfristig einen Mineralienmangel.
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Verdauungs-Stopp: Phytinsäure blockiert zudem genau die Enzyme, die wir brauchen, um Eiweiß zu verdauen. Die Folge? Das gesunde Protein aus den Nüssen kann nicht verwertet werden, und der Magen fühlt sich schwer an.
Die Dosis macht das Gift
Versteh mich nicht falsch: Wenn du ab und zu eine Handvoll Nüsse snackst, ist das kein Drama. Die Phytinsäure hat in kleinen Mengen sogar antioxidative Effekte. Aber wenn Nüsse, Kerne und Getreide täglich auf deinem Plan stehen, solltest du sie aber aktivieren.
Wie du den Tresor knackst: Die 3 besten Methoden
Es gibt verschiedene Wege, diesen Schutzschild zu durchbrechen. Das Ziel ist immer dasselbe: Die Phytinsäure abbauen und die Nährstoffe „freischalten“.
1. Einweichen (Der einfachste Weg)
Das ist die Methode, die ich schon seit Jahren empfehle. Das Wasser simuliert Regen. Der Samen denkt: „Hey, es ist Zeit zu wachsen!“ und baut die Hemmstoffe von selbst ab.
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So geht’s: Kerne über Nacht in Wasser legen, (Einweichzeiten weiter unten) danach das Wasser wegschütten (da schwimmt die Säure drin!) und gründlich abspülen.
2. Keimen lassen (Das nächste Level)
Wenn du die eingeweichten Kerne noch 1-2 Tage feucht liegen lässt, bis ein kleiner Keim schlüpft, explodiert der Vitamingehalt förmlich. Das ist die hochwertigste Form, Getreide oder Hülsenfrüchte zu essen. (Du ziehst also Sprossen- DAS wird deinem Körper, deinen Zellen und deiner Gesundheit dir danken)
3. Fermentieren & Säuern
Das kennen wir vom echten Sauerteig. Durch die Fermentation (Milchsäurebakterien) wird die Phytinsäure fast vollständig neutralisiert. Deshalb ist ein traditionelles Sauerteigbrot so viel gesünder als ein schnelles Industriebrot.
Deine Einweich-Liste für den Alltag
Damit du direkt loslegen kannst, hier die individuellen Einweichzeiten:
Nüsse & Kerne:
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Mandeln & Kürbiskerne: 12 Stunden
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Haselnüsse: 8 Stunden
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Sonnenblumenkerne: 6 Stunden
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Walnüsse: 4 Stunden
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Cashews: 2–4 Stunden (sie werden sonst schnell matschig)
Getreide & Pseudogetreide:
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Dinkel, Weizen, Roggen (ganze Körner): 12 Stunden
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Hirse & Buchweizen: 7–8 Stunden
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Quinoa: 4 Stunden (unbedingt extrem heiß abspülen wegen der Bitterstoffe!)
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Vollkornreis: 12 Stunden
Mein persönlicher Tipp zum Abschluss: Das Trocknen
Getreide/Pseudogetreide und Hülsenfrüchte wirst du bestimmt nach dem Wasserbad gleich kochen. Wenn du aber Nüsse nicht sofort verarbeitest, musst du sie nach dem Einweichen wieder trocknen, damit sie knackig bleiben und nicht schimmeln. Das geht am besten in der Sonne oder im Ofen bei niedriger Temperatur (unter 50 °C).
Ganz wichtig: Klemm einen Kochlöffel in die Backofentür, damit die Feuchtigkeit entweichen kann. Achte darauf, dass wirklich alles staubtrocken ist, bevor du sie in Gläser füllst. Sonst hast du schneller Schimmel, als du schauen kannst!
Hier noch ein Beispiel, Tipp wie du das z.B. am Besten beim Nussmus machst:
Mein Tipp für dein perfektes Nussmus
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Erst Baden, dann Backen: Weiche die Nüsse erst 8–12 Stunden ein. Damit ist die Phytinsäure weg.
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Kurz Trocknen: Lass sie kurz an der Luft antrocknen.
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Das “Finish” im Ofen: Jetzt schiebst du sie in den Ofen. Wenn du das volle Aroma willst, kannst du sie rösten, aber ich würde dir empfehlen, mit der Temperatur etwas runterzugehen (z.B. 140–150 °C). Das dauert vielleicht 5-10 Minuten länger, ist aber deutlich schonender für die guten Fette und das Ergebnis ist genauso lecker!
Warum das besser ist: Wenn die Phytinsäure durch das Einweichen einmal weg ist, kann sie durch das Backen nicht wiederkommen. Du hast dann das Beste aus beiden Welten: Maximale Nährstoffe UND maximales Aroma.
Fazit: Es ist ein kleiner Extra-Aufwand, aber dein Bauch und dein Energielevel werden es dir danken. Du isst nicht nur – du nährst dich endlich richtig.













1 Kommentar. Leave new
Danke für die Rezepte, so isch es übersichtlich und leichter nochzukochen für “Anfänger”