Ich habe langsam das Gefühl, keine Reels mehr zu posten und Videos in denen ich mich mitteile, nur mehr in die “geschützten” Storys zu packen, war die beste Entscheidung meines Lebens. Oder wenigstens eine von den ganz guten! Ich kann noch nicht sagen, ob ich das immer so beibehalten werde, aber nachdem ich mich wirklich gut darüber informiert habe, WAS diese Kurzvideos WIRKLICH mit uns machen, möchte ich nicht mehr Teil davon sein.
Diesen Drang, damit aufzuhören, verspüre ich bereits seit Jahren (Es ist verrückt wie lange wir ein Gefühl unterdrücken können), ich hatte aber nie den Mut es umzusetzen, denn ehrlicherweise bekommt man durch Kurzvideos viel mehr Aufmerksamkeit, Follower, Likes, Kommentare…ich hatte Angst UNTERZUGEHEN und meinen wichtigen Botschaften nicht mehr vermitteln zu können, wenn ich “nicht mehr mitspiele”.
Das ist meine ehrliche Antwort auf die Frage, warum ich nicht einfach auf mein Gefühl gehört habe. Tatsächlich macht mir aber vor allem unser Handykonsum seit Langem echt zu schaffen. Man sieht kaum noch Menschen die in einem Wartezimmer eine Zeitung lesen, man sieht “brave” Kinder im Restaurant die hypnotisiert in einen Bildschirm schauen und die sinnlosesten Videos konsumieren. (Damit sie still sind natürlich.) Die Erwachsenen daneben, selbst die meisten am Handy. Ich sehe so viele ältere Menschen die auch bereits in diese Sucht getappt sind- keine Sekunde ohne das geliebte Handy. Seinen wir mal ehrlich, die tollsten Gespräche gehen immer mehr verloren, die echten Unternehmungen (alles muss fürs “nachher zeigen” perfekt abgelichtet, gestellt und gefilmt werden), Echtheit ist sowieso immer seltener…
Wollen wir das nicht endlich beenden und für alle nächsten Generationen wieder beginnen zu LEBEN?? So echt und pur wie vor 30 Jahren?
Ich bin immer dankbarer, in den 90ern aufgewachsen zu sein. Mir steigen gerade Tränen in die Augen während ich das abtippe. Bei den Nachbarskinder läuten gehen, bis spät in die Nacht draußen spielen, so viel Fantasie mit so wenig Spielzeug. Wie hatten es so schön und ich tue täglich alles dafür, dass sich meine Kinder später genauso an ihre Kindheit erinnern dürfen.
Verstehe mich nicht falsch, es gibt auch so viele Vorteile durch Handys und co.! Die Frage ist nur wie immer: “benutze ICH es, oder werde ICH benutzt”?! Absolut nichts, ist nur gut oder schlecht- das dürfen wir uns gerne hinter die Ohren schreiben- oder als Bildschirmhintergrund einstellen.
Viel Freude, Aha-Momente und Konzentration beim Lesen meines Blogbeitrages (der tatsächlich erste jetzt beginnt)
Hör auf zu scrollen: Dein Gehirn wird gerade physisch umgebaut.
Wir befinden uns mitten in einem riesigen, ungeplanten psychologischen Experiment. Während du diesen Text liest, kämpfen Algorithmen um das Wertvollste, was du besitzt: deine Aufmerksamkeit. Doch es geht um weit mehr als verlorene Zeit. Was wir gerade erleben, ist eine systematische, biologische Umprogrammierung unseres Gehirns.
1. Die neurologische Falle: Dopamin auf Knopfdruck
Kurzvideos funktionieren wie ein digitaler Spielautomat. Jedes Mal, wenn du den Daumen bewegst, feuert dein Gehirn Dopamin ab. Das Problem? Dein Gehirn gewöhnt sich an dieses Dauerfeuer.
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Die Folge: Deine Belohnungsschwelle sinkt. Reale Dinge wie ein Buch oder ein tiefes Gespräch fühlen sich plötzlich „zu langsam“ und anstrengend an.
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Wissenschaft: Das „TikTok-Brain“ schwächt nachweislich den präfrontalen Kortex – den Teil des Gehirns, der für Fokus und Impulskontrolle zuständig ist. Das gilt natürlich nicht nur für Videos von Tiktok.
2. Die Taktung: Stress im Sekundentakt
Oft ist es gar nicht ein einzelnes Video, das uns erschöpft, sondern die Dichte. 15 Videos in 10 Minuten bedeuten 15 emotionale Welten: Ein Witz, ein Schock, ein Rezept, eine Katastrophe. Dieser ständige Wechsel versetzt dein Nervensystem in ein Cortisol-Dauerfeuer. Du bist körperlich still, aber dein Geist ist im Kampf-oder-Flucht-Modus.
3. Warum der INHALT eben doch entscheidend ist
Aber nicht nur die Schnelligkeit ist das Problem. Die Inhalte von Kurzvideos verstärken den Schaden auf psychologischer Ebene massiv:
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Sozialer Vergleich & Neid: Wir sehen keine echte Realität, sondern die „Highlight-Reels“ anderer. Wir vergleichen unser ungeschminktes Leben mit den gefilterten Erfolgen Fremder. Das killt das Selbstwertgefühl und schürt chronische Unzufriedenheit.
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Negativity Bias: Algorithmen bevorzugen Inhalte, die starke Emotionen auslösen – oft Angst, Wut oder Empörung. Wer ständig Katastrophen-Content konsumiert, entwickelt ein verzerrtes Weltbild (Doomscrolling), was zu erhöhten Angstsymptomen und innerer Unruhe führt.
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Fragmentiertes Wissen: Kurzvideos bieten „Häppchen-Wissen“. Wir glauben, etwas gelernt zu haben, aber ohne Kontext und Tiefe bleibt nichts hängen. Das Gehirn verlernt, komplexe Zusammenhänge zu verstehen. Wir speichern uns die Beiträge vielleicht, aber es bleibt nie was hängen.
4. Die Folge: Wir verlernen das „Langsame“
Nicht, weil wir faul sind, sondern weil wir umtrainiert wurden:
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Lesen fällt schwer, weil der Geist nach dem nächsten Kick sucht.
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Denken fühlt sich mühsam an, weil es keine sofortige Belohnung bietet.
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Tiefe Gespräche ermüden, weil sie nicht im 15-Sekunden-Takt geschnitten sind.
Dein Exit-Plan: Hol dir deinen Fokus zurück
Gegen Milliarden-Dollar-Algorithmen hilft keine reine Willenskraft. Du brauchst ein System:
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Die 20-Minuten-Hürde: Lösche einige Apps für bestimmte Tage/Stunden komplett vom Handy. Der Aufwand der Neuinstallation gibt deinem Gehirn Zeit, die „Stopp-Taste“ zu drücken.
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Analoge erste Stunde: Kein Handy nach dem Aufstehen. Wer sofort scrollt, konditioniert sein Gehirn für den Rest des Tages auf Reaktivität.
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Inhalts-Kur: Entfolge radikal Accounts, die Neid, Angst oder Wut in dir auslösen. Wenn du konsumierst, dann nur, was dir echten Mehrwert bietet.
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Der Graustufen-Modus: Stelle dein Handy auf Schwarz-Weiß. Ohne die bunten Signalfarben verliert der Scroll-Kick sofort seine Macht.
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Monotasking trainieren: Mache eine Sache (Essen, Gehen, Abwaschen) ganz bewusst OHNE digitale Ablenkung. Halte die Langeweile aus – sie ist der Raum, in dem dein Fokus heilt.
- Wenn du offen bist und einen Schritt weiter gehen möchtest- setzte dich hin und atme bewusst, schließe die Augen und meditiere für einige Minuten. (Hier meine 5-Minuten Meditation für mehr Glück, Ruhe und Zufriedenheit.)
Fazit: Dein Gehirn ist plastisch. Es kann sich regenerieren. Der Weg zurück beginnt in dem Moment, in dem du dich entscheidest, nicht mehr nur zu reagieren, sondern wieder selbst zu steuern.











